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Interpretation eines Gedichtes
Lettern Circus

Zehn Strophen, Zehn Zeilen, Zehn Grafiken.
Der Inhalt des Gedichts »Es gibt keine Freiheit« des Lyriker Bert Papenfuß wurde in den einzelnen Strophen zerlegt und grafisch interpretiert, um es für sich und andere begreifbar zu machen.

WiSe 2016
Lettern Circus betreut von
Harald Polens; Natascha Dell
2016, Folkwang Universität der Künste

Format: 14x 19 cm
Umfang: 25 Grafiken
Gedicht: „Es gibt keine Freiheit“ von Bert Papenfuß

Wachsmalstift auf Papier

WiSe 2016 Folkwang Universität der Künste
Betreut von Harald Polenz

Es gibt keine Freiheit
Es gibt keine Freiheit
für die Feinde der Freiheit.
Es gibt keine Freiheit
für die Freunde der Freiheit.
Die Freiheit ist eine Schimäre,
schwelgt stets in einer Affäre.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Durch tätige Befreiung abgetrotzt,
in die Fresse der Peiniger gerotzt.

Es gibt keine Freiheit
in der Diktatur der Bourgeoisie,
Demokratie genannt, Sklaverei ist gemeint.
Es gibt keine Freiheit
in der Diktatur des Proletariats,
Sozialismus genannt. Bestenfalls Toleranz.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Wird Staatsapparaten abgetrotzt,
in die Klos der Büros gekotzt.

Es gibt keine Freiheit
in der Diktatur der Bourgeoisie,
Demokratie genannt, Sklaverei ist gemeint.
Es gibt keine Freiheit
unterm Diktat der Militärindustrie,
Faschismus genannt, Sklaverei ist gemeint.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Wird durch militanten Widerstand
mühsam errungen Land für Land.

Es gibt keine Freiheit
unter der Knute des Adels,
Monarchie genannt, Sklaverei ist gemeint.
Es gibt keine Freiheit
unter der Fuchtel des Häuptlings,
Stammesgesellschaft genannt, Sklaverei ist gemeint.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Der Aufstand der unterdrückten Masse
fegt hinweg die herrschende Klasse.

Es gibt keine Freiheit
unter einem magischen Matronat,
Urgesellschaft genannt. Bestenfalls Toleranz.
Es gibt keine Freiheit
unter der Führung der Stärksten,
Amorphismus genannt. Bestenfalls Toleranz.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Frisch die Schläfrigen geweckt,
und ums Verrecken angeeckt.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Frisch die Schläfrigen geweckt,
und ums Verrecken angeeckt.

Es gibt keine Freiheit
in der keulenschwingenden Horde,
Selbstbezeichnung unbekannt. Guten Appetit.
Es gibt keine Freiheit
im Rudel unter einem Leitwolf,
Selbstbezeichnung unverständlich. Guten Appetit.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Auf die Fuchtel wird geschissen,
und Alpha in die Flucht gebissen.

Es gibt keine Freiheit
im Trott der Herde, den Fürzen
des Leithammels folgend. Toleranz unbekannt.
Es gibt keine Freiheit
im Schatten üppigen Gestrüpps,
das auch nur ans Licht will. Toleranz unbekannt.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Den Hammel in die Schlucht gestürzt,
dem Gestrüpp die Zweige gekürzt.

Es gibt keine Freiheit
unter der Erde, gesetzmäßig bebt
die Lithosphäre. Begriffe sind dort unbekannt.
Es gibt keine Freiheit
im Erdkern, es gibt keine Fragen.
Nickel, Eisen und Kobalt haben das große Sagen.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Stein waren wir doch alle schon mal,
durch Empörung werden wir Metall.

Es gibt keine Freiheit
im Atomkern, dort geht alles
ausnahmsweise seinen geregelten Gang.
Es gibt keine Freiheit
in der Regel – im Trudeln
der Revolte springt die Qualität.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen.
Die richtige Schwingung in Gang,
und schon tanzt Zweck mit Zwang.

Es gibt keine Freiheit
für die Feinde der Freiheit.
Es gibt keine Freiheit
für die Freunde der Freiheit.
Die Freiheit ist eine Schimäre,
schwelgt stets in einer Affäre.

Die Freiheit wird nicht kommen,
Freiheit wird sich rausgenommen,
durch tätige Befreiung abgetrotzt,
in die Fresse der Peiniger gerotzt.

© Bert Elsmann Papenfuss »Es gibt keine Freiheit«